Fake-News und die Fluglärm-Lobby

Fake-News und die Gefahren, die von ihnen ausgehen, sind ja derzeit in aller Munde. Oft werden Staaten und skrupellose „Internet-Gangster“ für das Verbreiten von solchen Falschnachrichten verantwortlich gemacht. Was oft vergessen wird sind die zahlreichen Lobbyverbände und Wirtschaftsunternehmen, die Fake-News schon seit Jahren in verschiedenen Medien verbreiten. Diese verfügen meist über erhebliche finanzielle Mittel, um interessengesteuerte Nachrichten nicht nur zu verbreiten, sondern diese auch so aussehen zu lassen, als wären sie echt und seriös.

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Quelle: fluglärm-portal.de

Machen Sie einen Versuch: Googlen Sie nach dem Wort „Fluglärm“, gerne ergänzt um eine geographische Angabe wie „Fluglärm Köln“, „Fluglärm Leipzig“ oder „Fluglärm Frankfurt“. Möglicherweise bemerken Sie, dass die Seite www.fluglaerm-portal.de sehr weit oben – wenn nicht sogar ganz oben – auf Ihrer Ergebnisseite auftaucht. Durchstöberten Sie die Seite, lesen Sie ein wenig. Die Homepage ist spannend, sie verspricht „Alle Infos zum Fluglärm“ aufzuzeigen. Tatsächlich ist sie viel besser und professioneller gemacht als die Seiten der meisten Vereinigungen von Fluglärmgegnern. Sie finden auf dem fluglaerm-portal richtig gutes Storytelling. Auf der Homepage wird eingeräumt, dass Fluglärm eine Belästigung darstellt und gesundheitsschädigend ist. Liest man aber ausführlicher auf der Seite fällt einem auf, dass die negativen Auswirkungen von Fluglärm gleichzeitig relativiert werden, dass etwa Vergleiche zu anderen Lärmkategorien wie Verkehrslärm, aber auch Gespräche und Musik gezogen werden um zu zeigen: Das mit den Flugzeugen ist ja gar nicht so schlimm. So heißt es dann auch: „Eine Verkürzung der Verkehrslärmdebatte auf das Thema Fluglärm hilft den von Lärm betroffenen Bürgern nicht.“ Erwähnt wird freilich nicht, dass wissenschaftliche Studien (etwa diese hier) schon längst sichern konnten, dass Fluglärm im Vergleich zu anderen Lärmquellen wie Straßenverkehr nicht nur als belastender wahrgenommen wird, sondern auch deutlich stärker die Gesundheit beeinflusst.

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Quelle: http://www.fluglärm-portal.de

Alles in allem wirken die Texte auf der Seite beim ersten Überfliegen überzeugend und gut. Sogar seriös. Aber wo sind die Brüche? Hat nicht jede Geschichte zwei Seiten? Ist die Welt wirklich so einfach? Irgendwann entsteht beim Leser – so zumindest bei mir – das mulmige Gefühl: Warum werden die Auswirkungen des Fluglärms so relativiert, obwohl zahlreiche wissenschaftlichen Untersuchungen dagegen sprechen? Wer kann sich überhaupt einen so professionellen Internetauftritt leisten? Ist das echt? Sind die auf der Seite vorgestellten Expertenmeinungen nicht außerordentlich selektiv und wird da nicht auch eine ganze Menge weggelassen? Deckt sich das mit dem Anspruch der Website, „überwiegend auf Quellen Dritter“ zurück zu greifen, um „dem Anspruch der Sachlichkeit gerecht zu werden“?

Gut, dass es in Deutschland eine Impressumspflicht für Internetangebote gibt. Denn so kann man schlicht nachlesen, wem die Seite fluglaerm-portal.de gehört und wer für die Inhalte verantwortlich ist. Überraschung: Betreiber ist der „Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirschaft e.V.“. Ein Lobbyverband. Ein Wirtschaftsverband. Die Selbstbeschreibung:
Der BDL wurde 2010 als Verband der deutschen Luftverkehrswirtschaft gegründet. Als zentraler Ansprechpartner für Politik, Medien und Öffentlichkeit bündelt und kommuniziert er die Themen, die von Bedeutung für den Luftverkehr sind.

Warum der Verband diese Form der Öffentlichkeitsbeeinflussung betreibt ist klar: „Um dem prognostizierten Wachstum Rechnung zu tragen, ist neben dem Ausbau von Flughäfen, der Entwicklung effizienterer Flugzeuge sowie der Weiterentwicklung des Air Traffic Managements auch ein dauerhafter Anstieg der Flugbewegungen zu erwarten.

Ziel des Internetauftritts ist also, Akzeptanz bei der Bevölkerung für eine Ausweitung des Flugverkehrs zu schaffen. Ganz so, wie es auch schon Politiker tun. Ein weiteres Ziel ist sicherlich auch Deutungshoheit über das Thema Fluglärm zu bekommen, durch bezahlte Anzeigen in Ergebnislisten von Suchmaschinen oder schlicht durch professionell erzeugten Content, der von Suchmaschinen vorangig indexiert wird und somit die kritischen Berichte auf die hinteren Plätze der Suche schiebt. Was ist also zu tun? Gar nicht so einfach. Letztlich hilft nur Skepsis und eine gesunde Portion an Misstrauen.

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