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Politik

OB-Kandidatinnen über Fluglärm

Am 13. September findet in Köln die Kommunalwahl statt. Ich habe allen dreizehn OB-Kandidatinnen zwei Fragen zum Fluglärm gestellt

Am 13. September findet in Köln die Kommunalwahl statt, bei der auch über den neuen Oberbürgermeister bzw. die neue Oberbürgermeisterin entschieden wird. Diese Person kann maßgeblich den Kurs mitbestimmen, wie die Stadt Köln mit der erwiesenermaßen gesundheitsschädlichen und und wirtschaftsschädigenden Fluglärmsituation umgeht.

Ich habe allen dreizehn OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten zeitgleich zwei Fragen gestellt:

  1. Was haben Sie in der Vergangenheit gegen Fluglärm getan?
  2. Wie werden Sie sich in Zukunft dafür einsetzen, Fluglärm in Köln zu reduzieren?

Ihre Antworten erscheinen hier in der Reihenfolge, wie sie bei mir eingegangen sind.


Bild Robert Nussholz
Robert Nussholz
www.ob2020.koeln

Da ich im Vorfeld in Köln nicht in einer politischen Verantwortung stand, konnte ich nur indirekt etwas gegen Fluglärm unternehmen, in dem ich selbst keine Inlandsflüge, die ich für vollständig verzichtbar halte, unternahm.

Als Oberbürgermeister werde ich mich stark für die Reduzierung der Inlandsflüge einsetzen und mich für das Nachtflugverbot über dem Kölner Norden einsetzen.


Bild Martin Josef Przybylski
Martin Josef Przybylski

Ich kenne ihr Anliegen aus eigener Erfahrung sehr gut. Dieses Problem muss schnell gelöst werden. Köln ist einer der wenigen Flughäfen Europas wo Nachtflüge durchgeführt werden. Um wichtige Flüge kommen wir nicht rum. Nachtflugverbot, das löst das Problem. Weiterhin darf die Lärmbelästigung nicht mehr als 40 DB erreichen, das schaffen wir, indem wir die Lärmgebühr merklich erhöhen, so dass es für laute Flugzeuge nicht rentabel wird.
Gemeinsam und parteiübergreifend ist das möglich.


Bild Dagmar Langel
Dagmar Langel
Wir sind Köln 2020

Mir ist das Problem des Fluglärmes bekannt. Ich wohne in Porz-Elsdorf, in der Nähe des Flughafens.

Ich persönlich bin für ein Nachtflugverbot. Natürlich kann ich mich dafür einsetzen, dass so gehandelt wird. Allerdings mache ich die Stadtpolitik nicht alleine. Sondern im Verbund mit allen Parteien im Rat. Was da durchzusetzen ist bleibt abzuwarten.


In der Vergangenheit hatte ich keine Möglichkeit politisch Einfluss zu nehmen, weil ich kein Amt inne hatte, bin parteilose Kandidatin und setze mich gerne für unsere Bürger in Zukunft intensiv ein!

Da ich auch in einer Flugschneise vor einigen Jahren in Köln wohnte, verstehe ich das Problem der Anwohner und Bürger gut! Als OB würde ich mich mit den Bürgern zusammen setzen um Lösungen zu finden! Dann würde ich mich um die Flugrouten in und um Köln kümmern, um zu sehen, was man verändern kann um den Lärm zu reduzieren! Die Fluglinien würde ich als OB auffordern den Bürgern in Fluglärmnähe einen Fluggutschein auszustellen!
Ich bin sicher eine Lösung gegen Fluglärm zu finden, wenn ich als OB in Köln gewählt werde!


Andreas Kossiski, SPD
andreaskossiski.de

Passagierflug in der Nacht brauchen wir nicht. Und beim Frachtflug müssen wir die Möglichkeiten nutzen, die wir als Anteilseigner des Flughafens haben, um über Gebühren dafür zu sorgen, dass moderne Maschinen geflogen werden und möglichst weniger Nachtflug stattfindet. Es muss auch weiterhin Fördermittel geben – etwa damit Betroffene den Schallschutz ihrer Fenster verbessern können. Natürlich sind die Arbeitsplätze sehr wichtig, dafür habe ich mich auch als DGB-Chef eingesetzt. Aber auch der Gesundheitsschutz ist wichtig.


Henriette Reker
henriette-reker.de

Foto:
Copyright Wahlbüro Henriette Reker

Ich habe mich immer für ein Nachflugverbot von Passagiermaschinen eingesetzt und setzte mich auch für den verstärkten Einsatz von lärmreduzierten Maschinen ein. Schließlich kann es auch nicht der Wunsch von Reisenden sein mitten in der Nacht in den Urlaub zu starten. Ebenso habe ich mich als Teil des Aufsichtsrates immer für eine möglichst lärmschonende Rotation der Anflugwinkel eingesetzt. Das werde ich auch weiterhin tun.

Meine Ziele zur Reduzierung des Nachtfluglärms sind weiterhin ungebrochen. Um eine Lösung herbeizuführen, werde ich Gespräche mit der Landesregierung führen, dass eine Veränderung der Nachtflugerlaubnis nur in ausgewogener Form (s.o.) möglich ist.


Thor Zimmermann, GUT
thorzimmermann.de

Ich sehe die Frage der belastenden Flugbewegungen auch unter dem Aspekt Klimaschutz. So haben wir bereits im(!) Flughafen für die verstärkte Nutzung von Bus & Bahn demonstriert. Privat fliege ich seit zwei Jahren gar nicht mehr.

Die Zahl der Flüge muss weltweit reduziert werden, auch am KölnBonner Flughafen. Daher setze ich mich auch in Zukunft für ein Nachtflugverbot ein, für Passagier- wie für Frachtflüge. Natürlich müssen wir alles dafür tun die Arbeitsplätze erhalten, ich werde mich für eine Verlagerung, etwa hin zur Bahnfracht einsetzen.


Jörg Detjen, DIE LINKE
linksfraktion-koeln.de

Fluglärm macht krank.
Insbesondere wenn der nächtliche Lärm den Schlaf stört, können die gesundheitlichen
Folgen gravierend sein.
Deswegen fordert meine Partei ein absolutes Nachtflugverbot am Köln/Bonner Flughafen.
(Siehe Kommunalwahlprogramm 2020, Kapitel 7 „Umwelt, Energiewende und Grün“).
Sie finden das Programm online auf der Hompage des Kölner Kreisverbandes DIE LINKE.
Als OB Kandidat der LINKEN fordere ich eine deutliche Reduzierung des Fluglärms am Köln/Bonner Flughafen auch am Tag.
Ich will, dass in Köln/Bonn nur noch Flieger starten und landen die in Punkto Lärm den neuesten Standards entsprechen.
Leider ist der kommunale Einfluss auf den Flughafen Köln / Bonn eher gering.
Umso wichtiger ist mir die Zusammenarbeit mit den Initiativen. Nur wenn es Druck aus der
Bevölkerung gibt, werden die Entscheidungsträger in Düsseldorf und Berlin reagieren.


Nicolin Gabyrsch, KLIMAFREUNDE
klimafreunde.koeln

Wir setzen uns massiv für den Klimaschutz ein und sind uns bewusst, dass der Flugverkehr weltweit drastisch eingeschränkt werden muss, wenn die weltweiten Klimaziele erreicht werden sollen. Ich persönlich fliege nicht mehr. Als Oberbürgermeisterin werde ich diesen Diskurs führen – mit der Flughafengesellschaft, mit der Landesregierung, mit der lokalen Wirtschaft wie mit der Stadtbevölkerung. Es hilft nichts: Wir alle müssen viel weniger fliegen! Das gilt für Menschen wie für Waren.

Ein ganz wichtiger Schritt sind Nachtflugverbote. Und zwar grundsätzlich – für den Passagier- wie für den Frachtverkehr. Der Wirtschaftsstandort Köln muss unabhängiger vom Flughafen Köln/Bonn werden – wir müssen andere Transport- und Lieferketten aufbauen, die vom Luftverkehr unabhänging sind. Die Standards für die Maschinen, die auf dem Flughafen Köln/Bonn landen/starten dürfen, müssen drastisch erhöht werden, damit nur Maschinen verkehren, die geringere Lärmemissionen haben.


Nicht geantwortet haben (Reihenfolge der Seite der Stadt Köln entnommen):

  • Christer Cremer, AfD
  • Roberto Campione, Parteilos
  • Rüdiger-René Karl Maria Keune, ÖDP
  • Olivier Fuchs, Volt

2 Antworten auf „OB-Kandidatinnen über Fluglärm“

Vorbemerkung:
Es ist ja ganz prima, dass sich OB/BM-Bewerber in nennesnwerter Zahl zu der Frage äußern, ob und wie sie sich als Gewählte dafür einsetzen wollen, dass der Fluglärm in Köln reduziert wird. So richtig und berechtigt aus Kölner Perspektive die auf Köln selbst reduzierte Frage auch sein mag, so richtig ist es andererseits, dass es bei einem solch stadtnahen Flughafen wie Köln/Bonn (der aus emissionstechnischen Gründen daher niemals zu einem Großflughafen mit völliger Nachtoffenheit hätte ausgebaut werden dürfen!) es möglich sein könnte, die Stadt selber vom Nachtflugbetrieb auszunehmen. Das geht erstens deswegen nicht, weil die Achsrichtung der Start-/Landebahnen 14/32 L/R immer dazu führt, dass bei südöstlichem Wind, d.h. Windrichtungen zwischen 50 und 220° der Landeanflug mitten über die Stadt führen wird, denn die internationalen Spielregeln der ICAO (Internationale Zivilluft-fahrtorganisation) schreiben erstens vor, dass landende Maschinen auf ihren letzten 15-18 km Flugstrecke genau geradeaus und mit einem exakt einzuhaltenden Sinkwinkel von 3° (5,2%) anzufliegen haben; zweitens schreiben sie aus Gründen der Flugsicherheit vor, dass grundsätzlich gegen die Windrichtung zu starten und zu landen ist. Es ist also der Wind-richtung geschuldet, dass Anflüge über die Stadt Köln im Durchschnitt der letzten zehn Jahre mit 45% einen hohen prozentualen Anteil an allen Landungen zu vezeichnen hatten.
Wer also weniger Flüge (Nachtflüge) über dem Stadtgebiet fordert muß wissen, dass sich das nur dadurch wird erreichen lassen, dass die Gesamtzahl der Flüge (Nachtflüge) abnimmt. Das zu erreichen muß also das zu verfolgende Ziel sein!

Zu einigen konkreten Vorschlägen möchte ich ein paar Anmerkungen machen:

– erhöhte Lärmgebühren für laute Maschinen im Nachtverkehr einzuführen ist grundsätzlich richtig, scheiterte aber in Köln/Bonn bisher (trotz mehrmaliger, gegenteiliger Ankündigungen des Flughafens) immer daran, dass solche Gebührenerhöhungen immer viel zu gering ausfielen, d.h. sie konnten bisher nie einen wirtschaftlichen Druck erzeugen, der groß genug wäre, dass Fluggesellschaften auf ihr sehr lukratives Nachtgeschäft verzichtet hätten. Es fand bisher also keine Umschichtung der Flüge von der Nacht in den Tag statt und daher waren die bisherigen mit viel Pressegetöse angekündigten Gebührenerhöhungen des Flughafens nicht mehr wert als weiße Salbe auf einer eiternden Wunde!

– 40 dB(A) als Lärmobergrenze? Ja, wenn dabei an den Jahres-Dauerschallpegel Leq gedacht ist, also einen rechnerischen Durchschnittswert für die jährliche Menge an Nachtfluglärm. Das würde im Übrigen auch der Empfehlung der WHO entsprechen (s. NIGHT NOISE GUIDELINES FOR EUROPE). Da wir von diesem niedrigen Wert für die Lärmmenge hier aber noch meilenweit entfernt sind, kann das bei realistischer Bertrachtung nur eine mittel- bis langfristige Zielsetzung sein. Als ein Zwischenziel sollte man zunächst mal auf einen Jahres-Leq von 45 dB(A) abstellen.

– Flugrouten verändern, um Köln vom Fluglärm zu befreien?
Das ist reines Wunschdenken und praktisch aus mehreren Gründen undurchführbar (s. Vorbemerkung).

– Frau Reker, also die jetzige Amtsinhaberin spricht davon, sie habe sich „…als Teil des Aufsichtsrates immer für eine möglichst lärmschonende Rotation der Anflugwinkel eingesetzt.“
Da frage ich mich schon, wer Frau Reker eigentlich in Fragen des Flugbetriebs berät: Das ist leider völliger Nonsens…aber vielleicht hat sie auch etwas anderes gemeint und es nur falsch formuliert?
Und ich frage mich (angesichts der Tatsache, dass Köln einerseits mit 31% Anteil einer der großen Anteilseigner am Kapital der Flughafengesellsschaft ist und es andererseits eine hohe fünf- vielleicht sogar 6-stellige Zahl von Nachtfluglärmbetroffenen in der Stadt gibt), warum rau Reker im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, wie auch in der Köln/Bonner Fluglärmkommission, nicht viel mehr Druck dafür machen läßt, dass wenigstens einmal das der Bevölkerung von der Landespolitik schon 1997 versprochene Nachtflugverbot für Passagiermaschinen sowie das ebenfalls vor über 20 Jahren versprochene Nachtflugvberbot für übergroße Frachtmaschinen (340-t-Klasse) eingeführt wird? Dazu könnte dann noch hinzukommen, wie dies die Lärmschutzgemeinschaft Köln/Bonn e.V. schon seit Jahren einfordert, die Einführung von an gesundheitlich unbedenklicheren Schallpegeln orientierte Lärmobergrenzen für Nachtflüge in Kombination mit einem Lärmkontingent, welches bei Überschreitung der dafür festzulegenden Obergrenzen echte Flugverbote nach sich zöge!

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